Diabetes mellitus

Umfassende Informationen zu einer der häufigsten Stoffwechselerkrankungen

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegeln. Moderne Therapiekonzepte ermöglichen ein aktives, selbstbestimmtes Leben.

Diabetes Behandlung

Überblick

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel auftreten. Ursache ist ein absoluter Insulinmangel und/oder eine gestörte Insulinwirkung.

Insulin ist das körpereigene Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, um steigenden Blutzuckerspiegeln entgegen zu wirken. Unbehandelt kann ein erhöhter Blutzuckerspiegel langfristig schwerwiegende Folgeerkrankungen verursachen.

Moderne Therapie

Eine frühzeitige Diagnose, regelmäßige Betreuung und moderne Therapieansätze können helfen, den Alltag mit Diabetes aktiv, sicher und selbstbestimmt zu gestalten.

Individuelle Betreuung

Therapieziele müssen immer an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Das höchste Ziel ist die Therapieakzeptanz und -zufriedenheit.

Die verschiedenen Typen des Diabetes mellitus

Diabetes mellitus umfasst verschiedene Erkrankungsformen mit unterschiedlichen Ursachen und Behandlungsansätzen.

Diabetes mellitus Typ 1

Autoimmunerkrankung mit Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen

Meist im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Lebenslange Insulinapplikation erforderlich.

Alter: Jedes Alter möglich
Behandlung: Insulintherapie
Diabetes mellitus Typ 2

Verminderte Insulinwirkung und relative Insulinmangelproduktion

Häufigste Form. Risikofaktoren: Übergewicht, Bewegungsmangel, familiäre Veranlagung.

Alter: Meist höheres Lebensalter
Behandlung: Lebensstil + Medikamente
Diabetes mellitus Typ 3

Verschiedene Formen durch Organschäden oder Gendefekte

Nach Bauchspeicheldrüsen-OPs, Hormonerkrankungen oder monogenetischer Diabetes (MODY).

Alter: Variabel
Behandlung: Je nach Ursache
Diabetes mellitus Typ 4

Schwangerschaftsdiabetes

Wird meist zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche festgestellt. Engmaschige Betreuung erforderlich.

Alter: Schwangerschaft
Behandlung: Diät + ggf. Insulin

Typische Beschwerden

In der Akutphase zeichnen sich alle Diabetesformen durch ähnliche Symptome aus. Dazu können Symptome der Folgeerkrankungen auftreten.

Große Trinkmenge
Gesteigerte Harnproduktion
Unerklärlicher Gewichtsverlust
Sehstörungen
Konzentrationsstörungen
Abgeschlagenheit
Verminderte Leistungsfähigkeit
Diagnosekriterien

HbA1c-Wert:

≥ 6,5% spricht für diabetische Stoffwechsellage

Nüchternblutzucker:

≥ 126 mg/dl

Zuckerbelastungstest (oGTT):

≥ 200 mg/dl nach 2 Stunden

Für eine zuverlässige Diagnosestellung sollten mehrere Parameter kombiniert werden. Der HbA1c-Wert gibt Auskunft über den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 2-3 Monate.

Folgeerkrankungen wirksam vorbeugen

Erhöhte Blutzuckerwerte können langfristig zu Gefäßschäden führen. Unser Ziel ist es, diesen durch Aufklärung und therapeutische Begleitung vorzubeugen.

Große Gefäße (Makroangiopathie)

Durchblutungsstörungen können sich entwickeln an:

  • Herzversorgende Gefäße
  • Hirnversorgende Gefäße
  • Bein- oder Bauchgefäße
Kleine Gefäße (Mikroangiopathie)
  • Netzhautveränderungen → Sehbeeinträchtigung
  • Nierenschäden → Eiweißausscheidung
  • Nervenschäden → Kribbeln, Schmerzen

Gute Vorsorge schützt: Viele Patient:innen haben nur bei sehr hohen oder niedrigen Blutzuckerwerten Beschwerden. Sicher sind vereinzelte Ausreißer nie zu vermeiden, im Schnitt sollten die Therapieziele aber eingehalten werden.

Therapieziele

Es ist nahezu unmöglich allgemeingültige Therapieziele zu definieren. Diese müssen immer an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden.

Das höchste Therapieziel ist die Therapieakzeptanz und -zufriedenheit von Seiten des Patienten. Eine theoretisch hervorragende Therapie hat keinen Nutzen, wenn die Umsetzung im Alltag zu aufwendig ist.

HbA1c-Wert:

Zwischen 6,5% und 8,5%, meist < 7,0%

Nüchternblutzucker:

Zwischen 100-125 mg/dl, optimal < 100 mg/dl

Blutzucker nach Mahlzeit:

Zwischen 160-180 mg/dl, optimal < 160 mg/dl

Wichtiger Hinweis

Alle Angaben sind als grobe Orientierungen zu verstehen. Die individuellen Therapieziele müssen immer mit dem Behandlungsteam definiert werden.

Technische Fortschritte der modernen Diabetestherapie

Die Diabetestherapie hat sich durch innovative Technologien grundlegend verändert. Ziel ist eine bessere Blutzuckereinstellung bei höherer Lebensqualität.

Kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM)

Das CGM-System misst den Glukosewert rund um die Uhr im Unterhautfettgewebe. Werte werden alle 1–5 Minuten erfasst und auf Smartphone oder Lesegerät übertragen.

Vorteile:

  • Besseres Verständnis des Glukoseverlaufs
  • Frühzeitige Warnung bei kritischen Werten
  • Erhöhte Therapie- und Lebenssicherheit

Hinweis: Die Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen unterliegt bestimmten Voraussetzungen.

AID-Systeme (Automated Insulin Delivery)

AID-Systeme verbinden Insulinpumpe, CGM-System und Algorithmus für automatische Insulinanpassung. Besonders im Schlaf oder bei unvorhersehbaren Schwankungen bietet dies enorme Vorteile.

Komponenten:

  • Insulinpumpe
  • CGM-System
  • Algorithmus für automatische Anpassung

Verfügbarkeit: Bisher nur bei Typ 1 Diabetes mellitus zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen umsetzbar.

Beispiele moderner AID-Systeme
MiniMed™ 780G SmartGuard™ Technologie (Medtronic)
t:slim X2 mit Control-IQ™ (Tandem Diabetes Care)
Omnipod® 5 (Insulet)
Mylife YpsoPump mit CamAPS FX (Ypsomed)
Kaleido mit DBLG1 (Diabeloop)

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